Rennbericht vom 12.4.2026 Velden 2026: Gravel UCI Worldseries

(Autor: Andreas Müller)


Knapp vorbei ist auch daneben – UCI Gravel World Series Velden 2026

An meinem Geburtstag stand heuer wieder das UCI Gravel World Series Rennen in Velden auf dem Programm. Es gibt wohl angenehmere Arten, seinen Ehrentag zu verbringen als 150 Kilometer lang Staub zu fressen und am Limit zu fahren – viele fallen mir allerdings nicht ein.

Die Bedingungen hätten im Vergleich zum Vorjahr kaum besser sein können. Statt Sturm und Kälte erwartete uns diesmal perfektes Gravel-Wetter. Trocken, schnell und teilweise sogar etwas zu trocken. Vor allem entlang der Drau wurde in den großen Gruppen so viel Staub aufgewirbelt, dass man zeitweise nur noch erahnen konnte, ob vor einem überhaupt noch jemand fährt oder bereits alle in der Staubwolke verschwunden sind.

Die Organisatoren hatten die Strecke gegenüber dem Vorjahr etwas verändert. Eine zusätzliche Eröffnungsschleife mit einem längeren Anstieg sorgte schon früh für eine Selektion im Feld. Gleichzeitig machte sie das Rennen mit rund 150 Kilometern und 1.600 Höhenmetern noch etwas länger und anspruchsvoller.

Die bekannte Sturzstelle aus dem Vorjahr wurde diesmal übrigens mit deutlich mehr Respekt angefahren. Das Ergebnis: Kein einziger Bodenkontakt über die gesamte Renndauer. Man lernt schließlich dazu.

Beeindruckend war erneut das hohe Niveau des Starterfeldes. Trotz längerer Strecke und mehr Höhenmetern war das Rennen insgesamt sogar schneller als im Vorjahr. Lag mein Schnitt 2025 bereits bei beachtlichen 28,4 km/h, standen diesmal 29,5 km/h auf dem Garmin. Der Gravel-Sport entwickelt sich rasant. Von der romantischen Vorstellung, gemütlich mit Bart, Flanellhemd und Abenteuerlust durch die Landschaft zu rollen, ist man bei den UCI Gravel World Series mittlerweile ziemlich weit entfernt.

Für den wohl spannendsten Moment des Tages sorgte allerdings nicht die Konkurrenz, sondern meine Tochter Marlies bei der Betreuung. Offenbar war ich diesmal etwas flotter unterwegs als erwartet, denn an einer Verpflegungsstelle fuhr ich einfach an ihr unbemerkt vorbei, ohne meine Flaschen auffüllen zu können. Nicht weil ich sie übersehen hätte – sondern weil sie mich übersehen hatte. Während ich bereits verzweifelt nach Getränken Ausschau hielt und erste Visionen von Verdursten und Unterzuckerung entwickelte, durfte ich umdrehen und meine eigene Betreuung suchen. Schlussendlich fanden wir wieder zueinander, die Flaschen wurden getauscht und die Jagd konnte weitergehen.

Auch sportlich lief es deutlich besser als im Vorjahr. Die Krämpfe, die mich damals am zweiten langen Anstieg fast zum Stillstand gebracht hatten, blieben diesmal komplett aus. Dadurch konnte ich in einer starken Gruppe mit einigen jüngeren Fahrern bis zum Schluss Druck machen – in Wirklichkeit machten aber die Old-Boys in der Gruppe das Tempo.

Die Stimmung in Velden war wie immer hervorragend. Rund 1.750 internationale Teilnehmerinnen und Teilnehmer sorgten dafür, dass der gesamte Ort ganz im Zeichen des Gravel-Sports stand. Genau diese Mischung aus professionellem Rennsport, großem Starterfeld und entspannter Atmosphäre macht Velden jedes Jahr zu einem besonderen Erlebnis.

Nach 5:04:25 Stunden erreichte ich schließlich als 15. der Altersklasse M55+ das Ziel. Besonders knapp fiel der Kampf um die WM-Qualifikationsplätze aus. Am Ende fehlten gerade einmal zwei Plätze beziehungsweise rund 90 Sekunden auf den letzten Qualifikationsrang.

Natürlich wäre die Qualifikation für die Welt- oder Europameisterschaft ein schönes Geburtstagsgeschenk gewesen. Andererseits: keine Stürze, keine Krämpfe, keine Defekte, eine persönliche Bestleistung in Velden und trotz der kleinen Verpflegungspanne kein Verdursten auf Kärntens Schotterstraßen – damit kann man durchaus zufrieden sein.

Fazit: Wieder ein großartiges Rennen, wieder hervorragende Stimmung und wieder jede Menge Gravelstaub zwischen den Zähnen.

Ergebnisliste:

Rennvideo: https://youtu.be/TlGeRN3If40?si=oXoax4Vw22KWNyXt

2026-04-12VELDEN