Gravel Saisonstart 2026 im Schlamm – Santa Vall Gravel Etappenrennen in Girona (Spanien) 14.2.2016 

Rennbericht von Andreas Müller:

In der ersten Februarwoche verbrachte ich mit meiner Familie einen Radurlaub in Moraira nahe Calpe an der spanischen Costa Blanca. Rennradfahrer kennen die Region natürlich wegen des legendären Col de Rates, wo sich Profis und ambitionierte Hobbyfahrer regelmäßig um die Strava-KOM Krone duellieren. 

Die Gegend ist ein echtes Eldorado für Rennradfahrer und eine durchaus ernstzunehmende Alternative zu Mallorca – vielleicht sogar etwas anspruchsvoller. Besonders angenehm fällt dabei auf, dass spanische Autofahrer Radfahrern deutlich mehr Verständnis entgegenbringen als man es teilweise von zuhause kennt. Im bergigen Hinterland ist der Autoverkehr ohnehin minimal – perfekte Bedingungen für viele schöne Trainingskilometer. 

Das Wetter war zwar etwas kühler als normalerweise um diese Jahreszeit, aber die Sonne ließ sich dennoch oft blicken und so konnten wir die Ausfahrten in vollen Zügen genießen. 

Gravelsaison eröffnet 

In der zweiten Urlaubswoche ging es weiter nach Sant Gregori bei Girona, wo am 14. Februar mit dem Santa Vall by The Traka die Gravelsaison 2026 eröffnet wurde. Gleichzeitig ist das Rennen Teil der Gravel Earth Series, die mittlerweile ähnlich populär geworden ist wie die UCI Gravel World Series. 

Das Starterfeld konnte sich sehen lassen: 

Namen wie Romain Bardet, Michael Woods oder der amtierende Gravel-Europameister Mads Würtz Schmidt standen am Start. 

Graveln hat sich also endgültig im Leistungssport etabliert – und für uns Hobbyfahrer hat es natürlich einen besonderen Reiz, wenn man im gleichen Rennen mit Weltklasse-Elitefahrern unterwegs sein darf. 

Für mich war es außerdem das erste Etappenrennen über zwei Tage, also auch eine neue Erfahrung in Sachen Kräfteverteilung, Ernährung und Regeneration. 

Schlamm, Sand und Zahnpasta 

Die erste Etappe hatte es allerdings in sich. Am Vortag hatte es den ganzen Tag geregnet und dadurch verwandelten sich einige Streckenabschnitte in regelrechte Schlammpisten. Besonders ein ca. 15 km langer Abschnitt entlang eines Flussbettes wurde zum echten Härtetest. 

Teilweise ging es knöcheltief durch Morast – bei Tempo knapp über Schrittgeschwindigkeit. Dabei bekam man regelmäßig eine ordentliche Portion Girona-Schleifsand ins Gesicht gespritzt. Da man bei der Belastung natürlich durch den Mund atmen musste (mit Nasenatmung wäre man nicht sehr weit gekommen), knirschte der Sand dann auch zwischen den Zähnen gleich mit – eine kostenlose Zahnreinigung inklusive. 

Die Elitefahrer nahmen es übrigens noch direkter: Sie durchquerten die Flüsse oft auf der kürzesten Linie und standen dabei teilweise bis zur Hüfte im Wasser. Wir Amateure entschieden uns meist für die etwas konservativere Variante und kämpften uns über die seitlichen Ufer entlang. 

Ein ungelöstes Problem blieb allerdings die Brille. Wenn von oben bis unten alles mit Schlamm und Schleifsand bedeckt ist, stellt sich irgendwann die Frage: Wie bekommt man die eigentlich wieder sauber? 
Meine pragmatische Lösung: mehrmals mit der Zunge abschlecken und den Dreck gleich als improvisierte Zahnpasta weiterverarbeiten. Funktioniert erstaunlich gut. 

Starkes Ergebnis – kaputtes Material 

Trotz der Bedingungen war die Strecke großartig: schnelle Gravelpassagen, Flussdurchquerungen, lange Schlammsektoren, wellige Asphaltstücke und einige technisch anspruchsvollere Downhills – eine perfekte Mischung für ein spannendes Rennen. 

Die erste Etappe über 120 km und rund 1700 Höhenmeter konnte ich schließlich etwas überraschend auf Platz 5 meiner Altersklasse beenden – wobei das Feld durch Defekte und Aufgabe bereits deutlich ausgedünnt war. 

Mein Gravelbike klang nach diesem Tag allerdings wie ein Sack Schrauben. Der Schlamm, die Nässe und der feine Schleifsand hatten dem Antrieb massiv zugesetzt. Zuhause stellte sich dann heraus, dass tatsächlich Kette, Kurbel und Umlenkrollen erneuert werden mussten. 

Und auch die Reinigung nach dem Rennen hatte es in sich: 
Eine Stunde Rad putzen – eine Stunde wertvolle Regeneration geopfert. 

Nervenkitzel auf Etappe 2 

Mit Platz 5 im Rücken wurde die zweite Etappe plötzlich ziemlich spannend, da die Zeitabstände nach vorne und hinten nicht besonders groß waren. 

Bei perfektem Wetter ging es mit Vollgas in den ersten langen Anstieg. Anfangs fühlten sich die Beine noch gut an, aber später auf einer schnellen Flachpassage musste ich die Gruppe ziehen lassen – vielleicht hatte ich im Anstieg doch ein wenig zu viel investiert. 

Zur Hälfte meldete sich auch mein Antrieb wieder lautstark zu Wort. Also hieß es: vorsichtig treten, sauber schalten und bloß keinen Blödsinn machen, damit das Rennen nicht doch noch mit einem DNF endet. 

Am Ende konnte ich Rang 5 in meiner Altersklasse verteidigen und war nach zwei intensiven Renntagen mehr als zufrieden. 

Familien-Support und ein neues Abenteuer 

Optimal betreut wurde ich an beiden Tagen von meiner Marlies, die mich hervorragend unterstützt hat – vielen Dank dafür! 

Da ich mir im Winter beim Indoortraining regelmäßig Gravel-Rennvideos auf YouTube anschaue, habe ich mir für 2026 vorgenommen, meine eigenen Rennen ebenfalls zu filmen. Das bringt zwar etwas zusätzlichen Stress während des Rennens, aber für den ersten Versuch sind die Videos ganz gut gelungen. 

Wer Lust hat, kann sich die beiden Etappen auf meinem YouTube-Kanal ansehen (und BITTE ABONIEREN!). 

Stage 1: https://youtu.be/vjYSoqSfFhs?si=8jsRzD15qs13qZE3 

Stage 2: https://youtu.be/tHgHxx7C-YA?si=P3wg1HZRGSY3GXyp 

Am Ende bleibt vor allem das Gefühl, ein außergewöhnliches Abenteuer erlebt zu haben. Girona wird mich sicher wieder sehen. Das TRAKA wartet noch! 

Und so ging der Februarurlaub schneller zu Ende als einem lieb ist – ehe man sich versieht, taucht man wieder im Berufsalltag auf. Immerhin: Zuhause war das Winterwetter inzwischen deutlich erträglicher als der endlose Nebel von November bis Jänner.