(Autor: Andreas Müller)
Fast am Stockerl – und wieder knapp an der WM/EC-Quali vorbei
Nach Velden stand mit dem UCI Gravel World Series Rennen „Gravel Adventure“ in Szklarska Poręba – Jakuszyce (Polen) eine weitere Gravel-WM/EC-Qualifikationsmöglichkeit auf dem Programm.
Mit 120 Kilometern und rund 2.400 Höhenmetern wartete eine völlig andere Herausforderung als zuletzt in Kärnten. Während Velden von schnellen Schotterpassagen, Windschattenfahren und großen Gruppen geprägt ist, geht es in Polen praktisch die gesamte Zeit nur bergauf oder bergab. Die Strecke führt überwiegend über Forststraßen durch die Wälder der Izerskie Berge und erinnert stellenweise eher an ein Marathon-MTB-Rennen als an ein klassisches Gravel-Rennen.
Besonders berüchtigt sind einige ruppigen Downhills. Genau dort hatte mein Rennen im Vorjahr ein abruptes Ende gefunden, als mir die vordere Felge brach und ich mit einem DNF die Heimreise antreten durfte. Das Ziel für heuer war daher klar definiert: Die schnellen und rauen Abfahrten mit etwas mehr Vernunft angehen, Material und Fahrer heil ins Ziel bringen und trotzdem ein gutes Rennen abliefern.
Am Vortag hatte es noch nahezu durchgehend geregnet, weshalb ich mit einer Schlammschlacht rechnete. Überraschenderweise präsentierte sich die Strecke aber in ausgezeichnetem Zustand. Zwar gab es unzählige riesige Pfützen und man kam sich stellenweise eher wie ein Slalomfahrer als wie ein Radfahrer vor, wirklich gatschig war es jedoch kaum. Die Bedingungen waren insgesamt deutlich besser als erwartet.
Ein weiterer Unterschied zu Velden ist die deutlich geringere Teilnehmerzahl. Während man in Kärnten oft stundenlang in Gruppen unterwegs ist, fährt man in Polen meist alleine durch die Wälder. Der Plan, sich möglichst lange an kleine Gruppen anzuhängen, war daher eher Wunschdenken. Am Ende verbringt man die meiste Zeit allein mit sich selbst, dem Garmin und den nächsten Anstiegen. Dafür hat die Strecke ihren ganz eigenen Reiz – kilometerlange Waldpassagen, ständig wechselndes Gelände und das Gefühl, mitten durch einen Märchenwald zu fahren.
Auch sportlich lief es erfreulich. Nach dem Defekt-Aus im Vorjahr gelang diesmal ein problemloses Rennen ohne grobe, technische Zwischenfälle. Die etwas defensivere Fahrweise in den kritischen Abfahrten zahlte sich aus, und so konnte ich über die gesamte Distanz konstant mein Tempo fahren.
Nach 5:03:02 Stunden erreichte ich als 5. der Altersklasse M55+ das Ziel. Damit fehlte am Ende lediglich ein Platz auf einen WM-Qualifikationsrang.
Natürlich kratzt man sich kurz am Kopf, wenn am Ende nur ein Platz auf die WM/EC-Qualifikation fehlt. Andererseits würde die Reise diesmal bis nach Australien führen. Und ganz ehrlich: Für fünf Stunden Schwitzen auf dem Rad ist der Flugaufwand samt Jetlag dann doch ein bisserl zu groß. Da ist es auch nicht schlecht, wenn man stattdessen daheim durch die Wälder rund um Neulengbach und Maria Anzbach flitzen kann
Unterm Strich bleibt ein äußerst gelungenes Rennwochenende, eine deutliche Revanche für das DNF aus dem Vorjahr und ein starker 5. Platz in einem technisch anspruchsvollen UCI-Gravel-Rennen. Manchmal ist ein Rennen ohne Defekt, ohne Sturz und mit einem breiten Grinsen im Ziel eben mehr wert als jeder Qualifikationsplatz.
Full-Race-Video für Indoor-Freaks 😊: https://youtu.be/R_Fdyf4mNKA?si=CkweirRZJgt6plfl